Haltung

Es gibt kaum eine andere Schildkrötenart, die besser für die Freilandhaltung in Mitteleuropa geeignet ist als die Europäische Sumpfschildkröte. Entscheidet man sich für die Pflege der Art, so gibt es dennoch einiges bei der Planung der Freilandanlage zu beachten. Durch die ganzjährige Haltung im Freiland bietet man den Tieren den Jahresrhythmus, der für die anzustrebende Zucht notwendig ist. Der Wasserteil muss an einer Stelle eine Tiefe von mindestens einem Meter aufweisen, da die Europäische Sumpfschildkröte ihre Winterruhe für gewöhnlich im Wasser auf dem Bodengrund schlafend hält und der Teich auf keinen Fall bis dorthin durchfrieren darf.

Foto: Frühsommeraspekt in einem unserer Gehege

Der Teich, die Uferzonen und der Landteil sollten eine üppige, schützende Vegetation aufweisen, die aber keinesfalls so dicht sein darf, dass sie die wärmende Kraft der Sonne abfängt. Wichtig sind möglichst flach ansteigende, griffige, Teichufer, da bei kühleren Temperaturen Emys relativ unbeholfen sind und leicht ertrinken können. Der Einfriedung einer Freilandanlage muss besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, da die Schildkröten gute Kletterer sind und häufig Ausbruchsversuche unternehmen (Männchen im zeitigen Frühjahr, Weibchen vor der Eiablage). Ideal ist eine glattwandige Umzäunung (Plastik- oder Betonwand), da zum Beispiel feinmaschiger Draht mühelos von den Tieren kletternd überwunden wird. Kommt eine Einfriedung aus rauem Material zum Einsatz so sollte diese in jedem Fall mit einem überhängenden Rand ausgeführt werden.

Seit etwa 10 Jahren bemühe ich mich nun um den Aufbau einer Zuchtgruppe mit Tieren authochoner Herkunft. Im Austausch mit Kollegen (siehe Kooperationen) konnten ab dem Jahr 1998 Nachwuchstiere der Haplotpen IIa und IIl für die Zucht zurückbehalten werden. Diese Tiere sind seit kurzem geschlechtsreif.
Der betreute Bestand umfasst derzeit rund 9 (4,5) geschlechtsreife Tiere . Bereits im kommenden Jahr sollte sich diese Zahl deutlich vergrößern. Derzeit halte ich die Tiere vom Haplotyp IIa und IIl gemeinsam. Die aktuellsten österreichichen Untersuchungen im Freiland lassen keinen eindeutigen Rückschluß auf die authochtone Form der Donauaunen östlich von Wien zu. Die isoliertesten und am besten geschützen Populationen im Herzen des Nationalparks Donauauen beherbergen vorwieged die beiden Haplotypen IIA und IIl. Leider konnte jedoch auch ein Typ IV festgestellt werden, sodass selbst in diesem Bereich von einer unnatürlichen Mischpopulation auszugehen ist. Solange es keine besseren wissenschaftlichen Grundlagen gibt, kann daher offensichtlich von einem ursprünbglich sympatrischen Vorkommen der beiden Haplotypen IIa und IIl ausgegangen werden. Für Wiederansiedlungszwecke scheinen beide Typen gleichermaßen geeignet zu sein.

Was sie bei vor der Anschaffung bedenken sollten

Für die Haltung der Europäischen Sumpfschildkröte ist in Österreich eine Haltegenehmigung der Bezirksbehörde erforderlich. Wenn sie Interesse an der Haltung von Sumpfschildkröten haben, erkundigen Sie sich bitte vorab über die Haltebedingungen  (z.B. beim Amtstierarzt). Über die derzeit gültigen Tier- und Artenschutzgesetzes finden sie ausserdem Informationen unter: www.lebensministerium.at

Futter

Gerade für die Jungtiere ist abwechslungsreiches und mit Vitamin- und Kalkgaben versehenes Futter besonders wichtig. Deshalb werden die Jungtiere zu Beginn täglich mit Lebendfutter (Mückenlarven, Wasserflöhen, usw.) gefüttert. Bei geringer Besatzdichte reicht oft schon das natürliche Nahrungsangebot im Teich aus. In den meisten Fällen wird auch bereits fein gehacktes Gelatinefutter gerne angenommen. Ab dem 2. Lebensjahr fressen die Tiere gerne Gelatinefutter (Rezept siehe unten) wobei die Zutaten immer wieder variiert werden sollten (Achtung gefrohrener Fisch verliert rasch wertvolle Vitamine). Die Futterverabreichung geschieht am besten im flachen Wasser. Da frisches Futter am liebsten gefressen wird, ist es am besten regelmäßig in sinnvollen Portionen zu füttern. Futterreste welche nach 1-2 Stunden nicht angenommen wurden, sollten aus hygienischen Gründen entfernt werden.

Foto: Spitzschlammschnecke (Lymnea stagnalis) ist bevorzugtes Beutetier

Bei Temperaturen über 20 Grad haben die Schildkröten einen hohen Stoffwechsel und fressen dann überdurchschnittlich viel. Pflanzliche Kost wird insbesonder von Schlüpflingen im ersten Lebensjahr angenommen. In Kombination mit adequater UV-Bestrahlung dürfte das Grünfutter wachstumsbeschleunigend wirken. Gelatinefutter hat sich aufgrund der vielen Vorteile bezüglich Handhabung und Nährstoffzusammensetzung als optimales Futtermittel für die Wasserschildkrötenhaltung herausgestellt. Ganz besonders hat sich ein von Brigitte Artner entwickeltes Rezept durchgesetzt:

Rezept von Frau Brigitte Artner
pudding.pdf - 45 kB

Detailierte Nährwerttabelle hier!
naehrwert.pdf - 393 kB

Vermehrung

Nach der von Anfang November bis Ende März dauernden Winterruhe setzen mit Anstieg der Temperaturen die Paarungs-aktivitäten ein. Geschlechtsreif werden Männchen mit etwa 12 cm Länge und 400gr. und Weibchen mit ca. 15cm Panzerlänge und einem Gewicht von und 700gr.
Je nach Witterung legen die Weibchen in den Monaten Mai bis August 1 bis 2 Gelege. Die Eiablage erfolgt bevorzugt in den Abendstunden (nach 18 Uhr). Zumeist suchen die Weibchen auch schon an den Vortagen, abends den Landteil auf und suchen nach einem geeigneten Ablageplatz.

Foto: Die Eiablage findet in Österreich zwischen Mitte Mai und August statt

Nach der Eiablage werden die Eier vorsichtig entnommen und in der Lage, in welcher man sie findet, in ein leicht feuchtes Substrat (z. B. Vermiculite) gebettet. In einem geeigneten Inkubator werden die Eier dann bei relativ hoher Luftfeuchtigkeit (ca. 70–90%) bebrütet. Ein Gelege kann aus bis zu 23 Eiern bestehen. Sie sind weiß, elliptisch geformt und haben eine mäßig harte aber geschmeidige Schale. Bei einer Zeitigungstemperatur von 24 bis 28°C schlüpfen nur Männchen, ab 30°C schlüpfen ausschließlich Weibchen. Je nach Temperatur beginnt der Schlupf der Schildkrötenbabys nach 60 bis 80 Tagen. Die kleinen Sumpfschildkröten haben eine Panzerlänge von 20 bis 25 mm und wiegen ca. 4 bis 6 Gramm.

Jungtier-Aufzucht

Bei den Schlüpflingen ist der Bauchpanzer noch nicht vollständig geschlossen und Reste des Dottersacks können vorhanden sein. Der Aufzuchtbehälter für die kommenden Wochen sollte groß genug für mehrere Jungtiere sein, da sich Futterneid besonders vorteilhaft auf die Nahrungsaufnahme der Schildkrötenbabys auswirkt. Wichtig ist ein Landteil (z.B. aus Zierkork) im Aufzuchtbecken, der mit einem Strahler tagsüber lokal aufgeheizt wird. Die Wassertemperatur sollte tagsüber auf maximal 26°C ansteigen und in der Nacht deutlich absinken.
Ein regelmäßiger, vollständiger Wasserwechsel sowie eine gründliche Reinigung der Einrichtung ist für das Wohl der Tiere unerlässlich. Den Jungtieren bekommt Freilandaufenthalt mit natürlicher Sonneneinstrahlung am besten. Zu berücksichtigen ist, dass sich ein kleiner Wasserteil schnell aufheizen kann und Gefahr der Überhitzung besteht. lm Zweifelsfall muß die “Kinderstuben” leicht abgeschattet werden.
Auch den Jungtieren wird im Winter eine Ruhephase von vier bis sechs Wochen geboten. Dazu werden die Tiere z.B. in einen kühlen Keller gebracht. In Behältern die z.B. mit feuchtem Moos gefüllt sind, können sich die Jungtiere leicht eingraben. Die optimale Überwinterungstemperatur liegt zwischen vier und sechs Grad.