Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES)
Wachsende Besorgnis über den Einfluss des internationalen Handels auf die Überlebenschancen vieler wildlebender Tier- und Pflanzenarten wurde bereits bei der Generalversammlung der „World Conservation Union“ (IUCN) 1963 in Nairobi andiskuttiert. Auf der Umweltkonferenz der UNO 1972 einigte man sich, dass eine internationale Regelung notwendig sein wird, um das Aussterben mancher handelsrelevanter Arten zu verhindern. Bereits ein Jahr später, im Februar 1973, hat die Regierung der USA zu einer Weltkonferenz nach Washington D.C. eingeladen. Nach dreiwöchigen Beratungen, an denen 88 Nationen teilnahmen, wurde am 3. März 1973 die „Convention on International Trade in Endangered Species of wild Fauna and Flora“ unterzeichnet (CITES; deutsche Bezeichnung: Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen; kurz: das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (WA)). Die erste Vertragsstaatenkonferenz fand 1976 in Bern statt. Heute gehören 169 Vertragsstaaten der Konvention an.

Der grenzüberschreitende, internationale Handel in CITES-gelisteten Arten zählt zu den lukrativsten wirtschaftlichen Aktivitäten wobei TRAFFIC („Trade Records Analysis of Flora and Fauna in Commerce“) das weltweit größte Programm zur Untersuchung, Überwachung und Dokumentation des Handels mit wildlebenden Tier- und Pflanzenarten darstellt.

Im Jahre 2002 schätzte UNEP („United Nations Environment Programme“) die illegale Komponente des weltweiten Handels auf 5 bis 8 Milliarden US Dollars, in etwa auf gleicher Ebene wie der illegale Waffenschmuggel und der Drogenmarkt. Im Gegensatz zu Waffenschmuggel und Drogenhandel erfährt aber die Bekämpfung des illegalen Handels mit CITES-Arten vergleichsweise niedere Priorität.

Millionen von lebenden Tieren und Pflanzen werden jedes Jahr in die Hauptabsatzmärkte wie die USA, Japan und in die Europäische Union (EU) eingeführt, wie zum Beispiel Papageien aus Südamerika, Reptilien aus Afrika oder Orchideen aus Südostasien. Darüber hinaus befriedigen eine Vielzahl an Produkten von wildlebenden Tier- und Pflanzenarten, wie etwa Schuhe oder Taschen aus Reptilienleder, Holzprodukte (zum Beispiel Möbel) oder getrocknete Pflanzen, die für medizinische Zwecke verwendet werden, den hohen Bedarf der Verbraucher in der industrialisierten Welt. CITES, die EU-Verordnungen zum Handel mit wildlebenden Tieren und Pflanzen, und nationale Gesetze bilden ein umfassendes Instrumentarium von Gesetzestexten, die den Handel mit den derzeit über 33.000 CITES-gelisteten wildlebenden Tier- und Pflanzenarten weltweit regeln.
Sinn der CITES Konvention ist es aber nicht, den internationalen Handel mit Wildtieren und Wildpflanzen generell zu unterbinden, sondern durch internationale Kontrollen die nachhaltige Nutzung der natürlichen Resourcen sicher zu stellen und gleichzeitig, in Zusammenarbeit mit der UNO und diverser Umweltschutzorganisationen wie der CBD („Convention for Biological Diversity“), zur Erreichung der sogenannten „2010 Ziele“ (signifikante Reduktion des Biodiversitätsverlustes) und der „Millennium Development Goals“ (MDGs) beizutragen (z.B. Gewährleistung ökologischer Nachhaltigkeit, Aufbau einer globalen Partnerschaft für Entwicklung, Armutsbekämpfung).

Die CITES-Vertragsstaaten anerkennen ausdrücklich eine nachhaltige Nutzung „erneuerbarer natürlicher Ressourcen“, also auch lebender Tiere und Pflanzen, als ein mögliches und effektives Mittel für die Erhaltung betroffener Arten. Auch im Entwurf des Strategischen Plan der Konvention 2008 – 2015 wird die Erkenntnis aller Vertragsstaaten bestätigt, dass nachhaltiger Handel mit wildlebenden Tieren und Pflanzen einen wichtigen Beitrag leisten kann um die breiteren, nicht unbedingt widersprüchlichen Zielsetzungen von nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung und Schutz der Biodiversität zu erreichen, und dass ausgewogene Handelsmechanismen entwickelt werden müssen die mit dem Lebensunterhalt der einheimischen Bevölkerung vereinbar sind.

Diese UNO-Konvention ist auch unter der Bezeichnung "Washingtoner Artenschutzübereinkommen" (WA) bekannt - benannt nach der Stadt in der CITES von 21 Ländern unterzeichnet wurde. Seit dem in Kraft treten am 1. Juli 1975 ist die Anzahl der Mitgliedstaaten auf 169 gestiegen. Österreich hat das Übereinkommen im Jahr 1981 ratifiziert und ist diesem am 27. April 1982 beigetreten. Der genaue Gesetzestext kann auf der CITES-homepage unter http://www.cites.org/eng/disc/text.shtml nachgelesen werden.

30.01.2007, Lebensministerium II/4
Textquelle: http://www.umweltnet.at/article/articleview/54076/1/7262

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